Der (dämliche) Numerus Clausus in Deutschland

Der Zuzug von Studierenden aus Deutschland in die Unistädte in Österreich hat sich in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Vielen in Österreich gefällt das nicht. Einerseits ist das absolut verständlich da es für Österreicher auch schwieriger wird einen Studienplatz in Zugangsbeschränkten Studiengängen zu bekommen. Entsprechend fallen leider immer wieder mal unnötige Kommentare gegenüber den Studierenden aus Deutschland. Dabei wird gern übersehen, dass die Studierenden für die Situation auch nichts können und nur versuchen sich ihren eigenen Traum zu verwirklichen. Doch dazu später mehr.

Das Recht auf den Zugang zu einer Hochschule ist in Deutschland im Grundgesetzt verankert. Ist die Nachfrage nach bestimmten Studienplätzen allerdings zu hoch, sind die Bundesländer oder die Hochschulen dazu berechtigt Zugangsbeschränkungen einzuführen. An sich kein verkehrter Gedanke. Allerdings stimmt hier auch nur der Grundgedanke. In unserer „alle müssen studieren“ Zeit funktioniert dieser so nicht mehr. Heute gibt es in eigentlich allen Uni-Städten in Deutschland Zugangsbeschränkungen für die großen Studiengänge. Selbst die Studiengänge, die 2005 noch problemlos belegt werden konnten (wie Maschinenbau) sind inzwischen völlig überlaufen und nur schwer zugänglich. Seit Jahren ist unter anderem das Einklagen von Studienplätzen eine gute Möglichkeit, und zugleich in Millionengeschäft: Erfolgreich zum Wunschstudienplatz: Bewerbung, hochschulstart.de, NC, Auswahlverfahren und -tests, Rechtsschutz, Studienplatzklage (dtv Beck Rechtsberater)

Das Problem sind aus meiner Sicht nicht die Zugangsbeschränkungen an sich. Natürlich wäre es schön, wenn alle studieren könnten was sie möchten. Aber darauf wird sich keine Politiker einlassen. Denn das würde im ersten Moment viel viel Geld kosten. Und bei einem 4 Jahres-Wahlsystem kann sich hohe Ausgaben keiner leisten. Das viel größere Problem ist die Wahl des NC als Kriterium für die Zulassung. Letztlich sagt der NC über eine Person und deren Qualifikationen überhaupt nichts aus. Die einzige Aussage die der NC erlaubt: Du kannst gut auswendig lernen und adäquat auf Prüfungsfragen antworten. Das sind beste Voraussetzungen für Ärzte, Psychologen, Richter, Architekten usw. Genau solche Menschen wünsche ich mir in wichtigen Positionen unserer Gesellschaft.

Nun aber zurück zum Traum. Wer zum Studieren nach Österreich kommt, der will das was er macht auch wirklich. Denn dieser Weg ist mit vielen Komplikationen verbunden, welche die jungen Menschen prägen und zu selbständigen und erfahrenen Menschen machen. Das Verlassen des Elternhauses (häufig schon mit 18) und die komplizierte Wohnungssuche wie in Innsbruck, um nur zwei zu nennen. Wer einen weiten und komplizierten Weg in kauf nimmt, der wird auch gut in seinem Gebiet. Und letztlich sind genau die gut ausgebildeten Menschen jene, die ich im OP, vor Gericht oder als Psychologen vor mir haben will.

Als Chance erkennen statt als ungewünschte Gäste sehen

Ich denke es ist an der Zeit, dass die Studierenden als Chance gesehen werden und nicht mehr nur als die ungebetenen Deutschen die Studienplätze wegnehmen. Und wenn dann das übliche Argument kommt: „Aber am Ende gehen die ja sowieso zurück nach Deutschland“, dann kann ich nur sagen: „Stimmt, denn Deutschland zahlt zwar nicht gut aber dennoch deutlich besser“. Gerade bei den sozialen Berufen ist die Bezahlung unerklärlich niedrig. Österreich zahlt sogar so schlecht, dass selbst viele der Österreicher nach Deutschland gehen um angemessen bezahlt zu werden.

Vielleicht ist das mal ein Gedankenansatz, welcher das Fluchen über die „Ausländer“ ersetzen kann. Faire Gehälter würden viele der Studierenden die Österreich ausbildet im wunderschönen Österreich halten. Und in den nächsten 50-100 Jahren werden wir genau diese gut gebildeten Menschen brauchen um Märkten wie China und Indien noch irgend etwas entgegen setzen zu können.

Der Testmaster

Der Testmaster ist ein leidenschaftlicher Verfechter von Aufnahmeverfahren (im Vergleich zum Numerus Clausus). Natürlich fände er freie Hochschulzugänge besser. Da diese aber in den nächsten Jahren nicht geschehen werden, wird der Testmaster auch weiterhin über Aufnahmeverfahren, Tests und Co berichten und Tipps und Tricks für die Vorbereitung auf die Tests vermitteln.